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Der weiße Mythologe [«]

Philosophie Magazin, Jutta Person (Nr. 5, Juli/August 2012)

"Mit dem Passagen-Verlag hat Peter Engelmann die Postmoderne bekannt gemacht. Seine eigene Geschichte – aus der DDR ins poststrukturalistische Paris – ist nicht minder aufschlussreich.

Hätte die Postmoderne eine Farbe, dann wäre sie weiß. Weiß wie die Bände des Passagen-Verlags, den Peter Engelmann vor 25 Jahren gegründet hat, um Denkern wie Jacques Derrida, Jean-François Lyotard oder Jean Baudrillard auch im Deutschen eine Stimme zu geben. [...]

Angefangen hatte alles mit Michel Foucault, der dem künftigen Verlag seine damals noch nicht übersetzten Vorlesungen am Collège de France überlassen wollte. Obwohl, eigentlich begann es schon viel früher: mit Engelmann selbst, dem aus DDR-Gefängnissen entkommenen Philosophiestudenten, der sich im Paris der späten siebziger Jahre brennend für die Ursprünge des Totalitarismus interessierte. Oder noch früher, mit eben jenen Gefängniserfahrungen 1972/73 in Rumänien und der DDR, über die vor allem die französischen Gefängnisdenker und Marxismus-Kritiker mehr wissen wollten. Oder noch früher, mit einem Philosophiestudium an der Berliner Humboldt-Uni, in den Sechzigern. Oder noch viel, viel früher, mit der Kindheit und Jugend in einem Staat, der sich Humanismus auf die Fahne schrieb und beim Gegenteil landete. 

Wenn Peter Engelmann seine Geschichte erzählt, wird klar, dass Philosophie für ihn tatsächlich etwas mit einer am eigenen Leib erlebten Not zu tun hat – auch wenn das viel zu pathetisch klingt für den Verleger, der so leise wie präzise spricht und gelegentlich einen trockenen Scherz unterbringt. [...]

Das neue Leben beginnt mit einem neuen Blick auf Hegel und Marx, auf den historischen Marxismus – und was daraus geworden war. "Ich wollte wissen, wie das zusammenhängt mit dieser politischen Realität, und von dort aus ist auch der Schritt zu den französischen Philosophen klar." In Paris erwarten ihn heftige Debatten um Louis Althussers und Étienne Balibars Marx-Bibel "Lire le Capital", der strukturalistische Marxismus wird kritisiert – zum Beispiel von Jacques Rancière, der sich von seinem Lehrer Althusser abgesetzt hatte. Dazu kommen Derrida, Lyotard, Baudrillard, Sarah Kofman – ein neues Leben mit neuen Philosophen, die alle kaum oder gar nicht ins Deutsche übersetzt sind. "Es hat mich geärgert, dass es in Deutschland diese Blockade gab", so erklärt Engelmann die Latenzphase des Verlags. [...]

Dass ein anderes, nicht frankfurterisches Denken über die Sprache, über den Körper, über eine nichtorthodoxe Linke, über Heidegger, Marx und Freud allmählich Einfluss gewinnen konnte, das liegt maßgeblich an den weißen Bänden – wie etwa Derridas "Randgängen der Philosophie", eins jener Bücher, das eine ganze Studentengeneration über die "différance" rätseln ließ. Neben solch filigranen Sprachanalysen publizierte Passagen immer auch dezidiert politische Philosophie – von Ernesto Laclaus und Chantal Mouffes Klassiker "Hegemonie und radikale Demokratie" über Slavoj Žižek bis zu Alain Badiou, der als hartgesottener Kommunist durchgeht. [...]

Dass ein überzeugter Marxist wie Badiou bei Passagen erscheint, ist dann doch erstaunlich – er sehe das als Toleranzmaßnahme, antwortet Engelmann. "Ich persönlich unterstütze die Idee einer Rückkehr des Kommunismus nicht; ich finde es aber wichtig, dass solche Ideen da sind", formuliert er diplomatisch. Über Badious kommunistisches Regenerationsprojekt hat er mit dem Philosophen gerade ein Gespräch geführt, das im Jubiläumsprogramm als erster Band einer neuen Reihe erscheint. "Philosophie und die Idee des Kommunismus" heißt er – und besser lässt sich die philosophische Triebfeder des Verlegers wohl kaum beschreiben."

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