literaturkritik.de, Nr.3, März 2011 (Jürgen Weber)
"Vorliegende Publikation ist zwar bereits erstmals 1997 erschienen, hat aber nichts an ihrer Aktualität verloren, wie auch der Herausgeber betont, ganz im Gegenteil, die darin angesprochenen Themen seien seither sogar noch virulenter hervorgetreten.
In seiner Einleitung (…) erkennt er Rassismus oder Xenophobie nicht nur als eine der ‚signifikantesten Säulen des historischen Kapitalismus‘, sondern erklärt auch die verschiedenen Phasen des Kapitalismus, die zur Globalisierung des 20. Jahrhunderts geführt haben. Die zweite wichtige Ideologie zur Aufrechterhaltung des Kapitalismus sei jene des Universalismus, der von den Führungskadern der verschiedenen Staaten proklamiert werde, um die westliche Fortschritts- und Modernisierungsideologie zur Standardisierung durchzusetzen. (…)
Ein anderer Beitrag von Homi K. Bhabha, ,Globale Ängste‘, beschäftigt sich unter anderem mit der Poesie von Adrienne Rich, als Sprachrohr der weit verbreiteten Angst im globalen Kapitalismus. Angst sei, wie Bhabha Sigmund Freud interpretiert, ein Signal als Chiffre der Gefahr. (…) Angst sei das vermittelnde Moment zwischen der Sedimentierung der Kultur und ihrer signifikanten Dislozierung, zwischen ihrer Sehnsucht nach einem Ort und ihrer Borderline-Existenz, so Bhabha. (…)
Ernesto Laclau zitiert in seinem Beitrag ,Inklusion, Exklusion und die Logik der Äquivalenz‘ gleich zu Beginn den Herausgeber Slavoj Zizek. Die Annahme eines ,ideologischen Nullpunkts‘ – einer reinen, außerdiskursiven Realität – sei das ideologische Missverständnis par excellence. Es gäbe gar keinen Punkt, von dem die Realität ohne diskursive Vermittlung spreche. (…)
Der letzte Beitrag der vorliegenden Publikation, in dem auf die Zusammenhänge zwischen Misogynie und Rassismus eingegangen wird, stammt von Slavoj Zizek selbst. Poetische jouissance (Übersetzung: Nutznießung, plaisir, Freude, sexueller Höhepunkt) entstünde, wenn schon die symbolische Äußerung dieses Schmerzes allein eine eigene Lust bereite (…) Denn was den Knecht in der Knechtschaft halte, sei genau dieses kleine bisschen jouissance, das sein Herr im zugestehe. (…)
Im Umgang mit anderen Kulturen empfiehlt der Philosoph eben gerade nicht durch Nachahmung des anderen an ihn heranzutreten, da dies einer Verhöhnung gleichkomme. Vielmehr müsse Respekt gezollt werden, indem man gerade die Andersartigkeit hervorhebe. ‚Mit anderen Worten: wenn wir den/das Andere(n) zu verstehen versuchen, sollten wir uns nicht auf seine Besonderheit (die Eigenart ihrer ,Gebräuche‘) konzentrieren; wir sollten vielmehr danach trachten, das sich seinem Zugriff Entziehende einzukreisen, die Stelle, wo das Andere in sich selbst disloziert, nicht durch seinen ,spezifischen Kontext' gebunden ist.‘ Weitere Beiträge stammen von Chantal Mouffe, Renata Salecl, Saskia Sassen, Gayatri Chakravorty Spivak und Ivo Zanic.
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