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"Peter Engelmann ist ein Genie in Networking" [«]

(c) Passagen Verlag

Peter Engelmann feiert am 30. April seinen 65. Geburtstag. Anlässlich dieses Jubiläums schrieb Sigrid Löffler für die aktuelle BuchMarkt-Ausgabe ein Portrait über den Passagen Verleger, welches Sie hier nachlesen können:

Beharrlichkeit

Peter Engelmann ist ein Genie in Networking

Es dürfte nicht viele ehemalige DDR-Bürger geben, die einst in einem Stasi-Gefängnis einsaßen und sich drei Jahrzehnte später "Commandeur dans l’Ordre des Arts et des Lettres" nennen durften. Dass ein früherer DDR-Dissident einmal mit Frankreichs höchstem Kulturorden ausgezeichnet werden könnte, ist nur eine der vielen erstaunlichen Wendungen im Leben und in der Karriere Peter Engelmanns, die sich in diesem Jahr, da Engelmann 65 und sein Passagen Verlag 25 Jahre alt werden, zu einem eindrucksvollen Ganzen fügen und trotzdem ganz unwahrscheinlich wirken. Eigentlich hätte das alles gar nicht funktionieren dürfen. Dass ein junger Ostberliner, der aus politischen Gründen 1972 mit Mitte zwanzig in Stasi-Haft kommt und ein Jahr später von der Bundesrepublik freigekauft wird, im Folgenden in Paris studiert und die französische Philosophie zum Denkmodell und zur Denkmethode seines Lebens macht und Jacques Derrida zu seinem Denk-Helden kürt. Dass der junge Doktor der Philosophie, der in Bremen mit einer Arbeit über Hegel promoviert wird, es sich in den Kopf setzt, die Schriften Derridas in Übersetzung im deutschen Sprachraum bekannt zu machen und zu verbreiten. Dass es den weltläufigen und sprachgewandten Anhänger der Postmoderne und der Dekonstruktion nach Wien verschlägt, in eine ostentativ anti-intellektuelle Stadt, die den neuesten akademischen Theorie-Importen aus Frankreich, vom Strukturalismus über die Semiotik bis zum Poststrukturalismus, gleichgültig bis misstrauisch gegenübersteht und von philosophischen Diskursen generell herzlich wenig hält. Dass dieser Dr. Peter Engelmann entgegen allen Warnungen sein Projekt zur Durchsetzung der zeitgenössischen französischen Philosophen im deutschen Sprachraum ausgerechnet in Wien realisiert. Und dass Engelmanns Gründung, der Wiener Passagen Verlag, sich als ein ewiger Fremdkörper im Wiener Kulturmilieu nicht nur behaupten kann, sondern tatsächlich ein dauerhafter Erfolg wird, mit internationaler Ausstrahlung und einem erlesenen Programm, das alle großen Namen des zeitgenössischen Denkens versammelt. Es hat funktioniert – was eigentlich nicht zu erwarten war. Dass es funktioniert hat, ist natürlich ein Wunder; vor allem aber ist es der verdiente Lohn für Peter Engelmanns Enthusiasmus, seine Beharrlichkeit, seinen bubenhaften Charme, sein Genie im Networking. Selbstverständlich weiß Wien bis heute nicht, was es an Peter Engelmann und seinem Passagen Verlag eigentlich hat. Dass es die übrige Welt weiß, sollte genügen.

Sigrid Löffler

 

(In: BuchMarkt April 2012, S. 119)

 
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