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Herbst 2017

 

Wie Sie an unserem Katalog erkennen können, wurde anlässlich unseres dreißigsten Geburtstages unser Erscheinungsbild gestalterisch erneuert. Dafür danke ich dem Büro für visuelle Gestaltung Anja Gasser Den Inhalt unserer Arbeit und das konsequente Design unserer Bücher werden wir jedoch in gewohnter Weise weiterführen.

30 Jahre Passagen – das heißt über 1000 Bücher, die mit einer großen Vielfalt an Positionen, Zugängen und Schreibweisen das intellektuelle Leben dieser Jahre mitgestaltet haben. Auf wunderbare Weise haben in dieser langen Periode die wichtigsten eigenständigen Denker unserer Zeit dazu beigetragen, ein Programm zu gestalten, das immer wieder neue kritische und differenzierte Einblicke in das politische Zeitgeschehen und die Entwicklung des zeitgenössischen Denkens und Schreibens eröffnet. Solche wertvollen Einblicke sind es, die uns auch eine bessere Orientierung für unser Handeln ermöglichen können. Aus diesem Jubiläumsprogramm einzelne Titel oder nur einige der Autoren, die uns teilweise seit Beginn begleiten, hervorzuheben, ist fast unmöglich. Denn alle unsere Autoren haben nach meiner Überzeugung zur Entwicklung des Passagen Projekts beigetragen. Jeder von ihnen hat versucht, mit den Mitteln seines philosophischen, kritischen und politischen Denkens gegen den Konformismus und Populismus unserer gegenwärtigen Welt anzuschreiben und durch neue ungewöhnliche Perspektiven eine Veränderung festgefahrener, verkrusteter Denkweisen und politischer Strukturen zu bewirken. Dabei liegt das Problem nicht in der Gefahr zu scheitern, sondern darin, es gar nicht erst zu versuchen, wie wir es schon aus der schulischen Pflichtlektüre des Faust II gelernt haben.

Das Passagen Projekt wurde eine Erfolgsgeschichte, wie ich sie bei seiner Gründung nicht erträumen konnte und nicht erträumt habe. Ich denke, das Geheimnis des Passagen Erfolges ist, dass die Auswahl der Titel und die Arbeit mit unseren Autoren, die so oft unsere Freunde waren oder geworden sind, klaren politischen und philosophischen Ideen folgt, einfachen, transparenten Leitlinien, die für jeden erkennbar sind und die unter einem Dach eine große Vielfalt von Positionen, Zugängen und Schreibweisen ermöglichen. So finden Sie bei uns seit dem ersten Programm die Bücher von Sarah Kofman, Jean-François Lyotard, Jean Baudrillard, Jean-Luc Nancy und Jacques Derrida. Später kamen Autoren wie Slavoj Žižek, Jacques Rancière, Alain Badiou oder Hélène Cixous hinzu, die wir bis heute dem deutschsprachigen Publikum nahezubringen versuchen. Immer wieder entwickelt sich das Programm mit einer neuen Generation kritischer Denker weiter, wie zuletzt mit Grégoire Chamayou oder Ivan Segré aus Frankreich. Beim Auftritt Frankreichs als diesjähriges Gastland der Frankfurter Buchmesse wird die Bedeutung des Passagen Verlages für den intellektuellen Austausch zwischen unseren Ländern besonders deutlich. Nach nunmehr 30 Jahren ergibt das Passagen Programm in der Summe eine nicht nur starke, sondern auch differenzierte Intervention in das politische Zeitgeschehen und die Entwicklung unseres zeitgenössischen Denkens und Schreibens. Überzeugen kann das Programm auch mit den Passagen Gesprächen, die wir vor 10 Jahren als Erweiterung unserer Projektarbeit begonnen haben. Sie sind deshalb so erfolgreich, weil sie kein fertiges Programm auf die Bühne unserer verschiedenen Partner stellen, sondern ungeschützt den mühseligen, anstrengenden Prozess der Wahrheitsfindung zu zeigen versuchen, so, wie ihn jeder von uns bei der Lektüre erlebt, wenn er sich bemüht, gemeinsam mit unseren Autoren und ihren Texten die Welt ein Stück mehr zu verstehen und nach Möglichkeiten sucht, sie zu verbessern.

Überall in der Welt verschlechtert sich die Lage für das freie Wort und den engagierten kritischen Diskurs dramatisch. Vor unseren Augen findet – wenigstens im Ansatz – der Umbau demokratischer Gesellschaften in totalitäre Regime statt. Denn nichts anderes sind die autokratischen, auf die jeweiligen Führer zugeschnittenen Gesellschaftsumbauten in unserer Umgebung, so wie die Putins in Russland, die Erdogans in der Türkei, die Orbáns in Ungarn oder die Kaczynskis in Polen. Diese Entwicklungen, die wir seit der Euphorie von 1989 erleben, müssen uns ein warnendes Beispiel sein, wie schnell wir das, was wir haben, verspielen können. Wachsamkeit und die Wertschätzung für die Errungenschaften unserer westlichen Demokratie sind deshalb das höchste Gebot. Wie sehr wir auch Rechtsstaatlichkeit, demokratische Verfahren, Meinungsfreiheit und freie Presse zu Recht kritisch hinterfragen können – ohne sie zu haben, könnten wir nicht einmal mehr das. Deshalb sollten wir sie hüten als unser höchstes gesellschaftliches Gut. Statt sie kleinzureden und im Namen unserer Vorstellungen von sozialer oder ökologischer Gerechtigkeit leichtfertig zur Disposition zu stellen, sollten wir sie nutzen, um unsere Ideen einer besseren Gesellschaft durchzusetzen.

Über die letzten dreißig Jahre hat sich die Bedeutung von außerinstitutionellen Projekten enorm vergrößert, weil unsere europäischen Kultur-und Bildungsinstitutionen nach amerikanischem Vorbild immer mehr zu Dienstleistungsbetrieben für die Selbstdarstellung des Politikbetriebes oder Ausbildungsstätten für möglichst effiziente und stromlinienförmige Arbeitskräfte umgebaut wurden. In gleichem Maße wurden alternative Spielstätten oder eben auch dem Engagement und nicht dem Profit verpflichtete Verlage in die Rolle von wichtigen Akteuren des Widerstands und zu Vorreitern der Erhaltung unseres mühsam errungenen Zivilisationsniveaus gedrängt. Dem müssen wir auch in Zukunft versuchen, nach besten Kräften gerecht zu werden. Ob wir als altmodische Wahrheitssucher belächelt werden oder ob versucht wird, uns als überdifferenziertes, schwieriges und parteipolitisch oder richtungs- ideologisch nicht zu vereinnahmendes Projekt abzustempeln, wir bleiben auch in Zukunft bei unserer Linie und leben sie weiter. Genauso wie die Freundschaft, die das Leitmotiv aller ist, die sich für das Passagen Projekt engagieren.

In diesem Sinne danke ich Alexandra Reininghaus und allen anderen, die uns in den letzten 30 Jahren so engagiert unterstützt haben und die das hoffentlich auch in Zukunft weiter tun werden.

Peter Engelman

 

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Peter Engelmann

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