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Herbst 2018

 

Nachdem wir den 200. Geburtstag von Karl Marx bereits in unserem Frühjahrsprogramm mit einem Buch von Alain Badiou gewürdigt haben, schreiben wir in unserem Herbstprogramm die Genealogie kritischer Interventionen zur Verbesserung unserer Gesellschaft mit dem 100. Geburtstag des strukturalistischen Marx-Interpreten Louis Althusser und dem 50. Jahrestag der Studentenrevolte des Mai 1968 fort.

Schien Marx als Gesellschaftstheoretiker nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Lagers durch dessen totalitäre Prägung und sein wirtschaftliches Versagen im Wettstreit mit den kapitalistischen Ländern noch historisch erledigt zu sein, erlebt er mit der Verschärfung der Widersprüche des globalisierten Kapitalismus heute ein unvermutetes Revival. Auf Marx zurückzugehen und die Idee des Kommunismus wieder zur politischen Leitlinie zu machen, erscheint immer mehr Menschen wieder als die richtige Antwort auf die vielerorts unerträglichen Zustände des heute fast schrankenlos globalisierten Kapitalismus. Die Geschichte des realen Sozialismus und der sozialistischen Bewegungen in Westeuropa scheint dabei überhaupt keine Rolle mehr zu spielen. Umso wichtiger ist es, die diversen Geburtstage dafür zu nutzen, nicht nur wie allenthalben gefordert Marx wieder zu lesen, sondern die komplexe Geschichte der von Karl Marx entwickelten Gesellschaftsanalyse und seiner Utopie des Kommunismus wieder bewusst zu machen. Die Erinnerungen an Althussers strukturalistische Marxlektüre und die basisdemokratische Studentenrevolte des Mai 68 verstehen wir nicht als nostalgische Reminiszenzen, sondern als wichtige Kontextualisierung der gegenwärtigen Kommunismus-Nostalgie. Denn die Interventionen Althussers und der Studentenbewegung waren eben auch Reaktionen auf die tiefgreifenden Probleme des realen Sozialismus und der kommunistischen Bewegung.

Die Kapitalismus-Analyse von Marx, seine kommunistische Utopie und die aus beidem entstandene politische Bewegung haben eine lange Geschichte, die wir nicht aus den Augen verlieren sollten, wenn wir die Kritik des globalisierten Kapitalismus ernst meinen. Deshalb eröffnen wir unser Herbstprogramm mit zwei Büchern der beiden führenden Theoretiker einer linken Alternative – Alain Badiou und Jacques Rancière –, die den Mai 68 analysieren und versuchen, die politischen Lehren aus diesem Ereignis zu ziehen.

Für Alain Badiou stehen die neuen Organisationsformen des Widerstandes im Vordergrund. In seinem Buch zur Aktualität des Mai 68 zieht er den Schluss, dass es notwendig und gerechtfertigt ist, gegen die herrschenden Zustände zu rebellieren.

Jacques Rancière wiederum legt in Das Ereignis 68 interpretieren: Politik, Philosophie, Soziologie den Akzent auf den Ereignischarakter des Mai 68, der in den gängigen Deutungen vernachlässigt wird. Das Ereignis setzt die gewöhnliche Zeitlichkeit außer Kraft und hebelt jegliche Hierarchien der Kenntnis und der Vermögen aus. In dieser beschleunigten Zeitlichkeit des Ereignisses wird die Gemeinschaft von Gleichen nicht nur als Ziel verfolgt, sondern im Hier und im Jetzt realisiert.

Damit folgt Jacques Rancière konsequent seiner Linie, die er in der Kritik der strukturalistischen Marx-Interpretation von Louis Althusser (an der er zunächst selbst beteiligt war) entwickelt hat: Es geht darum, jenseits ideologischer Vorgaben oder angeblicher Naturgesetze gesellschaftlicher Entwicklungen den Ansatz für Veränderungen im konkreten Leben der Betroffenen zu finden.

Althussers eigene Diagnose der Krise des Marxismus führt ihn, nach den Erfahrungen von 68, Ende der 70er Jahre zu seinem späten Konzept des „aleatorischen Materialismus“. In seinem Buch Als Marxist in der Philosophie versucht er zu ergründen, wie man sich als Marxist in der Philosophie bewegt, anstatt marxistischer Philosoph zu sein.

Den Althusser-Komplex runden zwei Bücher über Althusser ab: Der Althusser-Effekt von Isolde Charim sowie der Sammelband Althusser und wir, in dem sich einige der wichtigsten gesellschaftskritischen Philosophen unserer Zeit zur

Bedeutung Althussers äußern.

Neben zwei weiteren Titeln unseres Autors Alain Badiou – Der zeitgenössische Nihilismus sowie Trump. Amerikas Wahl in neuer Auflage – und Hélène Cixous’ neuem Buch Mutter Homer ist tot haben wir auch zwei Bücher von Jacques Derrida im Programm. Die Todesstrafe I ist eine tiefgründige, in manchem provozierende Reflexion über das Vergeben und das Nichtvergebbare, das uns mit paradigmatischen Fällen aus der Geschichte tief in die gegenwärtigen Diskussionen führt und uns die Relevanz des dekonstruktiven Denkens zeigt.

Zum Schluss noch ein Hinweis: Wie Sie wissen, verhandelt der Passagen Verlag diese Themen auch mit seinen Autorinnen und Autoren in der Veranstaltungsreihe „Passagen Gespräche“ (Volksbühne Berlin, Kampnagel Fabrik Hamburg, Gessnerallee Zürich). Hinweise zu den aktuellen Terminen, Videos sowie Berichte über unsere Veranstaltungen und Aktivitäten finden sie auf facebook.com/PassagenVerlag und auf youtube.com/PassagenVerlag.

 

Peter Engelmann

 

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Peter Engelmann

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