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Frühjahr 2018

 

Unsere Veranstaltungen und Feiern anlässlich unseres 30. Geburtstages haben uns so viel Anerkennung für unsere Arbeit gebracht und so viel Freude gemacht, dass wir beschlossen haben, das Jahr nach dem Geburtstag als Passagen Jahr weiter zu feiern. Weiterfeiern heißt für uns, neue, spannende Bücher für Sie und uns zu suchen und zu entwickeln, die uns helfen, in den gegenwärtigen gesellschaftlichen Umbrüchen eine Orientierung zu finden, die auf die neuen Entwicklungen reagiert, aber deshalb noch lange nicht ihre Überzeugungen und Werte aufzugeben. Ein schwieriges Unterfangen, denn wir erleben nicht nur tiefgehende Umwälzungen auf dem Feld der Politik, sondern auch ein nicht gekanntes begriffliches Durcheinander.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Begriff der Globalisierung, der heute alle Kontroversen auf sich zu ziehen und zu vereinen scheint und gewohnte Einteilungen obsolet erscheinen lässt. Die Globalisierung wird sowohl von rechts als auch von links als Wurzel allen Übels identi fiziert, und von beiden Seiten wird Protektionismus und wirtschaftliche Abschottung als Allheilmittel gegen die Folgen der Globalisierung nicht nur gepriesen, sondern auch erfolgreich in Politik umgesetzt. Und das auf demokratischem Weg. Abschotter und Protektionisten gewinnen nicht nur in Amerika, sondern auch in Europa die Wahlen, wenn sich der wirtschaftliche Protektionismus mit Fremdenhass und Rassismus verbindet. Wir haben deshalb unseren Autor Colin Crouch gebeten, eine differenzierte Analyse des Begriffs der Globalisierung zu entwickeln, die jenseits ideologischer Klischees die Geschichte dieses Begriffs erzählt und die Vor­ und Nachteile der Globalisierung gegeneinander abwägt. Crouch zeigt, dass es weder wünschenswert noch möglich ist, die Globalisierung aufzuhalten. Es kommt aber darauf an, die internationalen Institutionen zu stärken um die Globalisierung zu zivilisieren. So wie die sozialdemokratischen Ideen des Sozialstaates Europa eine lang anhaltende Periode des Wohlstand und des Friedens gebracht haben, müssen heute sozialdemokratische Ideen des Interessenausgleichs die Basis von Reformen der internationalen Institutionen werden, damit der hemmungslosen Profitgier transnationaler Konzerne und ihrer zerstörerischen Kraft nicht das Feld überlassen wird.

Unser Jubiläumsprogramm zum Frankreich­ Schwerpunkt auf der Buchmesse in Frankfurt 2017 hat den Stellenwert des Passagen Verlags als führender Verlag für das zeitgenössische französische Denken im deutschen Sprachraum eindrucksvoll unterstrichen und bestätigt. Die Vermittlung und Diskussion heutiger Philosophie und aktuellen französischen Denkens ist keine Eintagsfliege in unserem Verlag, sondern das vielleicht wichtigste nachhaltige Engagement des Passagen Verlages seit seiner Gründung. Unser Frühjahrsprogramm zeigt das auf eindrückliche Weise. Wir haben unser Pulver nicht in einem Anlassprogramm verschossen, sondern setzen unsere Arbeit mit der und für die französische Philosophie unbeirrt und nachhaltig fort. Denn wir sind der Überzeugung, dass die französische Denktradition und das vergleichsweise dichte intellektuelle Leben in Frankreich nach wie vor die wichtigsten zeitgenössischen Impulse für das Verständnis unserer Welt und für die Suche nach Auswegen aus den Sackgassen der zeitgenössischen Politik liefert. Deshalb finden Sie auch in unserem Frühjahrsprogramm neue Texte von unseren Autoren Jacques Rancière, Alain Badiou, Jacques Derrida und Hélène Cixous. Und viele andere Bücher von bekannten und unbekannten französischen Autoren warten in den folgenden Programmen auf Sie.

Louis Althusser, der Lehrer vieler unserer Autoren an der École Normale superieure in der Rue d’Ulm in Paris, würde in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiern. Seine strukturalistische Marxlektüre war ein bedeutender Meilenstein in der Selbstbefragung und der Selbstkritik des Marxismus als Ideologie des totalitären Sowjetsystems und stalinistischer Parteien im Westen. In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts konnten auch in den dogmatischsten Kreisen die Fehlentwicklungen bei der Realisierung der Idee des Kommunismus nicht mehr übersehen werden. Die strukturalistische Marxlektüre Althussers und seiner Mitautoren wie Jacques Rancière kann als ein Rettungsversuch des Marxismus verstanden werden, der auf die Kritik des Stalinismus in der Sowjetunion reagierte, die den Marxismus in den Augen orthodoxer Kommunisten zu verwässern drohte. Es kam den strukturalistischen Kritikern darauf an zu zeigen, dass sich der Kommunismus gleichsam mit naturwissenschaftlicher Gesetzlichkeit unabhängig vom subjektiven Wollen und subjektiven Fehlern bei der Realisierung auf jeden Fall durchsetzen würde. Die Kritik dieser Position und die Hinwendung zur Erforschung konkreter sozialer Bewegungen des 19. Jahrhundert führten Althussers Schüler Jacques Rancière zu seiner heutigen globalen Bedeutung als Begründer einer neuen Ästhetik und neuer Formen gesellschaftlicher und politischer Emanzipation.

Althussers tragische persönliche Geschichte verstellte lange Zeit den Blick auf diesen wichtigen französischen Denker, dem viele unserer Autoren wie Jacques Rancière, Alain Badiou oder Slavoj Žižek noch dort, wo sie sich kritisch von ihm abgrenzten, wichtige Impulse verdanken. Wir wollen diesen französischen Denker mit unserer Initiative wieder in den Blick rücken und beginnen deshalb in diesem Frühjahr die Publikation einer Reihe bedeutender Texte Louis Althussers. Den Anfang machen wir mit seiner Einleitung in die Philosophie für Nichtphilosophen. Mit dieser Schrift wollte Althusser Philosophie auch für Laien zugänglich machen, aber keineswegs als schlichtes populärwissenschaftliches Werk, sondern auf der Höhe seiner grundlegenden Begriffe und Themen wie Praxis, Religion, Ideologie und Wissenschaft.

Die Passagen Gespräche sind mittlerweile ein fester Begriff in der intellektuellen Landschaft in Berlin, Wien und Zürich geworden. Nach dem HAU und dem Gorki Theater entwickeln wir sie ab 2018 mit der Volksbühne, unserem neuen Partner in Berlin, weiter. Zum Auftakt unserer Zusammenarbeit haben wir unseren Autor Jean­Luc Nancy am 16.1.2018 in der Volksbühne zu Gast. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der Volksbühne Berlin.

Passagen, schrieb ich im letzten Programm, bedeuten immer auch Bewegung, Ausbruch, Störung. Und Stören bedeutet Passagen, Eröffnung neuer Denkräume und Erkundung von Wegen und Handlungsmöglichkeiten, wie wir die gesellschaftlichen Verhältnisse verbessern können. Nach diesem Motto aus unserem Jubiläumskatalog setzen wir auch im 31. Jahr nach dem Feiern unsere Arbeit fort und versuchen, unseren Überzeugungen und Träumen auch weiterhin treu zu bleiben.

Peter Engelman

 

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Peter Engelmann

Peter Engelmann