Paris, von einem Rattenloch aus gesehen, zusammen mit dem Verlangen, mit allem, was um einen herum ist, eins zu sein, ganz verbunden zu sein. Da, wo sich die Außenwelt bis zu einem Umkreis von 7 Quadratmetern ausdehnt, da, wo die Stadt mitten auf dem Tisch steht, da, wo die Wände so dünn sind, dass ein Radio vonnöten ist, um die Geräusche und Stimmen der Nachbarn ab und zu zu übertönen.
Normalerweise denkt man in Paris über seine Nachbarn nicht nach. Zuviele Nachbarn, zuviele Schicksale. Der junge Araber gegenüber: wenn ich über sein Leben nachdenken sollte, müsste ich verzweifeln. Den ganzen Tag über arbeitet er, abends sieht er in seinem etwa 8 qm großen Loch – es scheint etwas größer als meines – TV. Sein Zuhause: 1 Matratze, 1 tragbarer Fernseher, 2 Hosen und 3 T-Shirts, die auf dem Boden liegen, weil es keinen Schrank gibt. Ich werde nicht mehr zu ihm hinübersehen. Und ich? Weiß, daß ich bald hier herauskomme, wobei die Wände meiner anderen Behausungen in dieser Stadt auch nicht dicker waren. Aber 10 Quadratmeter mehr. Das merkt man schon. Mit nur 7 ist man inniger mit der Stadt verbunden.
Gundi Feyrer, geboren 1956, Schriftstellerin, Zeichnerin und Filmerin, lebt derzeit bei Córdoba, Andalusien.