Götz Wienold

Meine Mutter, die Spinne

Erzählungen

Götz Wienold führt in seinen Erzählungen die Projektionen und Obsessionen seiner Figuren vor: Die tote Mutter erscheint als Spinne, Guckinsfenster wird bei seiner Leidenschaft geschnappt, der Häufchenmacher läuft seinen unerledigten Handlungen hinterher, der Sammler gesundheitlicher Leiden anderer wird darüber sterbenskrank.

Charaktere, wie sie im 17. Jahrhundert Thomas Overbury beschrieb, werden neu gedacht. Figuren entwickeln intensive Projektionen und Fixierungen: Ein Mann erkennt in einer Spinne seine tote Mutter, ein Junge erlebt, von glatt polierten Glatzen älterer Männer angezogen, seine Sexualität. Neben solchen biographischen Szenen stehen Skizzen bemitleidenswerter Figuren in ausweglosen Situationen: Der Gedankenleser glaubt, das Gegenüber zu ergründen, und wird, ohne es zu verstehen, selbst Objekt eines Angriffs des Gedankenlesens. Es geht um Lebensentwürfe, die gelingen oder fehlschlagen: Des Plagiats bezichtigt, legt die Doktorandin ihren Doktorvater herein, die Volontärin liest die Konstellationen in ihrer Firma falsch und muss gehen. Schließlich eine Hommage an Heinrich Mann, der die Zeichen seiner Zeit besser als andere las, er flieht vor den Nazis ins Exil nach Frankreich. 

Details
Umfang 248 Seiten
Format 12,8 x 20,8
Auflage1,
ISBN 978-3-7092-0588-4
Ersch.Datum April 2024
30,00 
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